Schritt für Schritt
Der digitale Bauantrag – kompletter Leitfaden
Vom Antragsformular bis zur Baugenehmigung: wie der digitale Bauantrag funktioniert, welche Unterlagen Sie brauchen, was er kostet und wie lange er dauert.
Kurz erklärt
Der digitale Bauantrag ist der vollständig online gestellte Antrag auf eine Baugenehmigung. Eingereicht wird er über das virtuelle Bauamt Ihres Bundeslandes. Dieser Leitfaden erklärt Ablauf, erforderliche Unterlagen, Kosten und Dauer – und wer den Antrag stellen und einreichen darf.
Was ist der digitale Bauantrag?
Der digitale Bauantrag ist der formelle Antrag auf eine Baugenehmigung, der vollständig online gestellt wird. Er ersetzt den klassischen Papierantrag bei der Bauaufsichtsbehörde. Eingereicht wird er über ein virtuelles Bauamt – also die Online-Plattform Ihres Bundeslandes. Antragstellende und Behörde arbeiten dabei in einem gemeinsamen digitalen Vorgangsraum zusammen, in dem auch Rückfragen, Nachforderungen und der Bescheid abgewickelt werden.
Welches System für Sie gilt, hängt vom Bundesland ab: 13 Länder nutzen den EfA-Onlinedienst „Digitale Baugenehmigung“, Baden-Württemberg die Marke ViBa BW, und Berlin, Brandenburg sowie Hessen setzen eigene Lösungen ein. Die vollständige Übersicht je Bundesland hilft bei der Einordnung.
Bauantrag, Bauanzeige, Bauvoranfrage – was ist der Unterschied?
Rund um die Baugenehmigung kursieren mehrere Begriffe, die oft verwechselt werden:
- Bauantrag: Der vollständige Antrag auf Baugenehmigung mit allen Bauvorlagen.
- Bauvoranfrage: Klärt vorab einzelne Fragen (z. B. die grundsätzliche Bebaubarkeit) und führt zu einem verbindlichen Bauvorbescheid. Mehr dazu im Ratgeber Bauvoranfrage vs. Bauantrag.
- Kenntnisgabe-/Anzeigeverfahren: Vereinfachtes Verfahren, bei dem das Vorhaben nur angezeigt wird – siehe Kenntnisgabeverfahren.
- Verfahrensfreie Vorhaben: Kleine Vorhaben, die gar keinen Antrag benötigen – siehe verfahrensfreie Bauvorhaben.
Wer darf den Bauantrag stellen und einreichen?
Antragsteller sind Sie als Bauherrin oder Bauherr. Die fachlichen Bauvorlagen für genehmigungspflichtige Vorhaben müssen jedoch von einer bauvorlageberechtigten Person erstellt und unterschrieben werden – das sind in der Regel Architekt:innen oder bestimmte Bauingenieur:innen. Ob und wann es ausnahmsweise auch ohne geht, erklären wir im Ratgeber Bauantrag ohne Architekt.
Was brauche ich technisch für den digitalen Bauantrag?
- ein Nutzerkonto zur Identifizierung (BundID für Privatpersonen, ELSTER-Unternehmenskonto für Büros/Firmen),
- die Bauvorlagen als Dateien (meist PDF) in der vom Portal vorgegebenen Struktur,
- einen aktuellen Browser – eine spezielle Software ist nicht nötig.
Wie die Anmeldung im Detail funktioniert, lesen Sie unter BundID & ELSTER für den Bauantrag.
Die vier Bausteine im Überblick
Dieser Leitfaden gliedert sich in vier Themen, die wir jeweils ausführlich behandeln. Beginnen Sie am besten mit dem Ablauf und prüfen Sie parallel die benötigten Unterlagen.
Ablauf des Bauantrags
Von der Registrierung bis zum Bescheid – alle Schritte in der richtigen Reihenfolge.
Erforderliche Unterlagen
Lageplan, Bauzeichnungen, Baubeschreibung & Co. – was in die Bauvorlagen gehört.
Kosten der Baugenehmigung
Gebühren, Planungskosten und womit Sie kalkulieren sollten.
Dauer & Bearbeitungszeit
Gesetzliche Fristen und realistische Bearbeitungszeiten.
Häufige Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Die meisten Verzögerungen entstehen nicht durch die Behörde, sondern durch vermeidbare Fehler im Antrag selbst:
- Unvollständige Unterlagen: Die gesetzliche Frist beginnt erst mit einem vollständigen Antrag. Nutzen Sie unsere Checkliste.
- Widerspruch zum Bebauungsplan: Prüfen Sie Baugrenzen, Höhe und GRZ/GFZ vorab – oder klären Sie sie mit einer Bauvoranfrage.
- Abstandsflächen nicht eingehalten: Ein häufiger Ablehnungsgrund, siehe Abstandsflächen.
- Falsches Dateiformat: Halten Sie sich an die Format- und Benennungsvorgaben des jeweiligen Portals.
Wurde Ihr Antrag dennoch abgelehnt, hilft unser Ratgeber Bauantrag abgelehnt: Was tun? weiter.
Wo reiche ich meinen Antrag ein?
Das hängt von Ihrem Bundesland ab. In unserer Übersicht finden Sie das richtige Portal.
Bundesland wählenHäufige Fragen
Wie stelle ich einen digitalen Bauantrag?
Über das virtuelle Bauamt Ihres Bundeslandes: Konto mit BundID/ELSTER anlegen, Antragsformular ausfüllen, Bauvorlagen hochladen, absenden und den Vorgang online verfolgen.
Brauche ich für den Bauantrag einen Architekten?
In der Regel ja. Für genehmigungspflichtige Vorhaben müssen die Bauvorlagen von einer bauvorlageberechtigten Person (Architekt:in oder Bauingenieur:in) erstellt und unterschrieben werden.
Was kostet ein Bauantrag im Durchschnitt?
Die Genehmigungsgebühren liegen im Schnitt bei rund 0,5 % der Baukosten. Die Erstellung der Bauvorlagen durch eine fachkundige Person macht oft den größeren Kostenblock aus.
Wie lange dauert ein digitaler Bauantrag?
Die gesetzliche Entscheidungsfrist liegt meist bei drei Monaten ab vollständigem Antrag. Realistisch sollten Sie mit vier bis sechs Monaten rechnen.
Welche Bauvorhaben brauchen überhaupt einen Bauantrag?
Genehmigungspflichtig sind die meisten Neubauten, Anbauten und Nutzungsänderungen. Kleinere Vorhaben können verfahrensfrei sein – das regelt die jeweilige Landesbauordnung.